Test: Regenjacken und Regenhosen (1/2017)

Ganz dicht? Aktuelle Regenbekleidung im Test

04.04.2017 Stefan Frey - Auch wenn sich jeder Tourenfahrer am liebsten nur schönes Wetter wünscht, gehört die wasserdichte Regenkombi in jede Packtasche. Wir haben 12 Jacken und 8 Hosen genauer inspiziert.
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© Daniel Simon

Es liegt nun mal in der Natur der Sache. Immer, wenn man sich Regen wünscht, bleibt der Himmel weitgehend trocken. So auch bei unserem Regenkombi-Test. Für den Vergleich der zwölf wasserdichten Jacken und acht Hosen in diesem Artikel müssen wir also gezwungenermaßen kreativ werden. Und so ergießt sich mit Hilfe zweier Rasensprenger nun über dem Redaktions-Waschplatz ein standardisierter Regenschauer.

Während der fünzehnminütigen Testläufe prasseln nahezu 5000 Liter Wasser auf jedes Testprodukt

Und natürlich auch auf den Testfahrer. Der simuliert, das Fahrrad auf einem Rollentrainer montiert, mal sitzend mal stehend eine Fahrt. Jacken und Hosen, die diesen künstlichen Regenguss ohne Wassereinbruch überstehen, halten erfahrungsgemäß auch in der Praxis dicht. Lecks sind meist schon nach wenigen Minuten ausgemacht. Bleiben die Testkandidaten dagegen in den ersten Minuten innen trocken, ist auch die restliche Testfahrt keine allzu große Herausforderung.

Dabei ist bereits vor dem Feldversuch klar: An den unterschiedlichen Membranen scheitert die Dichtigkeit nicht. Egal, ob Gore-Tex, Ceplex, ExoShell60 oder welches Fabrikat die Hersteller auch immer verarbeiten – im zuvor durchgeführten Suter-Test halten die Membranen an sich alle dicht. Auch die Anzahl der Lagen spielt keine Rolle, wenn über zwei Minuten lang ein Wasserdruck von 0,4 bar (das entspricht einer Wassersäule von 4000 Millimetern) auf den Jackenstoffen lastet.

Kritisch wird es an den Nahtstellen

Wenn Wasser irgendwo durchsickert, dann hier. Da zeigt sich, wie hochwertig die Jacken oder Hosen gefertigt sind und vor allem, ob die Hersteller sauber gearbeitet haben. Um die Verbindungsnähte der einzelnen Stoffbahnen dauerhaft abzudichten, müssen die Nähte an der Innenseite mit einem sogenannten Naht-Tape versiegelt werden. Erst das verhindert, dass sich Wasser an den Verbindungsstellen seinen Weg nach innen bahnt. Bei Pearl Izumis Regenjacke haben Schauer leichtes Spiel, weil das Tape gleich komplett fehlt. Schon nach wenigen Sekunden tropft Feuchtigkeit an den Nähten ins Jackeninnere. Für mehr als etwas Nieselregen ist die Pearl Izumi daher kaum zu gebrauchen. Doch auch die Produkte anderer Hersteller können teilweise dem Wasserdruck nicht standhalten. Bei den Jacken von Bontrager, Craft, Cube und Endura sowie den Hosen von Craft, Cube und Mavic färbt sich das Kontrollpapier im Suter-Test an einigen Stellen dunkel. So sind die undichten Stellen leicht zu finden. Als besonders kritisch erweisen sichdie Nahtkreuzungen. Also Stellen, an denen mehrere Stoffbahnen aufeinandertreffen und zwei bis drei Schichten Tape übereinanderliegen. Hier sickert besonders oft Wasser durch. Ernüchternd: Nur 10 von insgesamt 20 Produkten halten wirklich zu 100 Prozent dicht. Erstaunlicherweise sind in der Hälfte dieser Fälle Gore-Membranen verarbeitet.

Die DWR-Beschichtung bestimmt den Tragekomfort

Für die Dichtigkeit der Regenbekleidung nicht entscheidend, dafür besonders wichtig für den Tragekomfort, ist die wasserabweisende Beschichtung an der Außenseite, auch DWR-Beschichtung (Durable Water Repellent) genannt. Obermaterial, das sich außen mit Wasser vollsaugt, macht die Jacke oder Hose nicht nur spürbar schwerer. Bereits nach wenigen Kilometern im Regen fühlt sich das Material klamm an, und der Körper beginnt auszukühlen.

Der sogenannte Spray-Test (nach DIN-EN-ISO 20811) soll zeigen, wie gut eine Imprägnierung das Wasser von der Oberfläche abperlen lässt. Hierfür werden die Testkandidaten mit einer definierten Menge Wasser berieselt – im Neuzustand und nach fünf Waschgängen. An guten Materialien perlt das Wasser wie von einem Lotusblatt ab. Schlechte Stoffe saugen sich dagegen großflächig mit Wasser voll. So zeigt sich schnell, wie haltbar die DWR-Beschichtung wirklich ist. Die meisten Imprägnierungen bauen bereits nach wenigen Wäschen stark ab und lassen Wasser nur noch teilweise oder gar nicht mehr abperlen. Nur die Jacken von Gore, Löffler, Pearl Izumi und Vaude weisen Wasser auch nach fünf Wäschen noch so gut wie im Neuzustand ab. Bei den Regenhosen erreicht kein einziges Modell den Ausgangswert. Langsam saugen sich so die Oberstoffe während der Testfahrten immer mehr mit Wasser voll. Manchmal durchgeweicht, waren unsere Tester doch eher froh, nach 15 Minuten, einfach den Wasserhahn abdrehen zu können.

Guter Regenschutz ist keine Frage des Preises. Schon für 130 beziehungsweise 100 Euro halten die Produkte von Vaude zuverlässig dicht. Wer allerdings auch längere Schauer trocken überstehen will, sollte unbedingt auf eine Jacke mit Kapuze setzen. Die beiden Gore-Produkte besitzen alle wichtigen Merkmale und sichern sich den verdienten Testsieg. Stefan Frey, Bike-Redakteur

Die richtige Pflege

Waschen ist elementar für die Funktion von Regenklamotten.
Drei Szenarien gibt es – wir zeigen, wie Sie Regenbekleidung richtig pflegen.

Teil ist noch sauber, aber Wasser perlt nicht mehr ab.

  • Trockenes Bekleidungsteil für 20 Minuten in den Wäschetrockner bei 60° C/ein Punkt, um die DWR-Imprägnierungwieder zu aktivieren

Teil ist schmutzig und muss gewaschen werden

  • Bekleidungsteil waschen, bei 40° C mit Flüssigwaschmittel (kein Pulver!)
  • Zwei zusätzliche Spülvorgänge, um Waschmittelrückstände zu entfernen
  • Schleudern bei 400 Touren, damit Membran nicht beschädigt wird
  • Trocknen, am besten auf der Leine > Trockenes Bekleidungsteil für 20 Minuten in den Wäschetrockner bei 60° C/ein Punkt (Hitzeprozess), um die DWR-Imprägnierung wieder zu aktivieren

Wasser perlt nicht mehr ab, auch nicht nach dem Hitzeprozess

  • Bekleidungsteil waschen bei 40° C mit Flüssigwaschmittel
  • Zwei zusätzliche Spülvorgänge, um Waschmittelrückstände zu entfernen
  • Schleudern bei 400 Touren, damit die Membran nicht beschädigt wird
  • Leicht antrocknen lassen, am besten auf der Leine
  • Auf die noch feuchte Bekleidung eine Sprühimprägnierung auftragen und diese auf der Leine trocknen lassen
  • Trockenes Bekleidungsteil für 20 Minuten in den Wäschetrockner bei 60° C/ein Punkt (Hitzeprozess), um die aufgebrachte Imprägnierung zu aktivieren

Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 1/2017. Sie können die Ausgabe in der Trekkingbike-App (iTunes  und Google Play) laden oder im DK-Shop bestellen.

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