Kaufberatung: Reifen (3/2017)

Gummilösung: 16 Reifen für Reise, Gelände, Straße

07.08.2017 Kai Hilbertz - Profile, Gummimischungen und Pannenschutzkonstruktionen moderner Reifen werden immer raffinierter, die neue Sparte der Gravelreifen erweitert die Auswahl. 16 aktuelle Fahrradreifen im Überblick.
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© Daniel Simon

Wer sich als Radfahrer schon mal gedacht hat, frei nach Karl Valentin: „Mögen hätt ich schon wollen...“, sich dann aber nicht mehr richtig getraut hat, hatte womöglich die falschen Reifen montiert. Das muss aber nicht sein, denn heute ist die Auswahl an guten Reifen für den City- und Trekkingbereich vielfältiger als je zuvor.

Abgesehen von der allgemeinen technischen Weiterentwicklung, die auch vor Fahrradreifen nicht Halt gemacht hat, hängt die heutige Vielfalt v.a. damit zusammen, dass die Fahrradindustrie dabei ist, immer mehr Nischen zu schaffen. Und wenn neue Marathonräder, Gravelbikes, Fatbikes oder XYZ-Pedelecs auf den Markt gebracht werden, dann müssen auch die passenden Reifen dazu entwickelt werden.

Große Auswahl an Cityreifen

Daher finden Trekkingradfahrer eine tolle Auswahl an Cityreifen, weil viele der neuen Pneus auch für die Nutzung durch Pedelecs entwickelt werden. Gerade Modelle mit dickerem Pannenschutz haben meistens eine Zulassung für 25 km/h (normale Pedelecs) oder 50 km/h (schnelle S-Pedelecs). Während billigere Alltagsreifen mit einfachen Compounds (Gummimischungen) versehen sind, benutzen teure Modelle Dual- oder Triple-Compounds. So wird z.B. eine härtere Mischung auf der Mitte der Lauffläche angebracht, um den Rollwiderstand zu senken, während die Seiten weicher und damit griffiger ausgeführt werden.

Neue Kategorie: Ganzjahresreifen

Wer nicht zweimal im Jahr die Reifen wechseln will, freut sich auf die neue Kategorie der Ganzjahresreifen, die sich zunehmend etabliert. Neue Gummischungen und feine Lamellen- oder Noppenprofile geben diesen Reifen auch im Winter viel Grip. Es sei allerdings der Hinweis erlaubt, dass wenn es mal richtig eisig wird, trotzdem kein Weg an Spikereifen vorbeiführt.

Der aktuelle Trend zum Gravelbike eröffnet neue Möglichkeiten

Bisher hatte man bei Fahrten über Feld- und Waldwege nur die Wahl zwischen meist relativ schweren Tourenreifen (mit Schulterstollen) oder surrenden MTB-Reifen (mit richtig dicken Stollen). Jetzt kommen immer mehr Gravelreifen auf den Markt, die durchaus großvolumig, aber trotzdem nicht tonnenschwer sind. Ihre Profile sind so gestaltet, dass man sie auch bequem auf der Straße fahren kann. Insofern überrascht es nicht, dass manche Tourenfahrer dazu übergegangen sind, für leichte Touren Gravelreifen zu montieren.

Bei neuen Velos geht der Trend eindeutig zu breiteren Reifen. War bei Trekkingfahrrädern früher 37-622 fast eine Art Standardgröße, so werden auf neuen Modellen häufig 42 oder sogar 47-622er Schlappen montiert. Dickere Reifen sind bequem und federn besser, aber wer auf sein bestehendes Rad breitere Reifen montieren will, sollte unbedingt vorher kontrollieren, ob der Durchlauf dafür vorhanden ist.

Es ist aber keinesfalls so, dass die theoretische Reifenbreite immer der tatsächlichen Breite entspricht. Weil Hersteller hier ganz gerne schummeln, ist es in der Praxis oftmals möglich, Reifen zu montieren, die theoretisch zu dick wären. Wir haben alle sechzehn Reifen im Testfeld genau vermessen und ganze zwei davon haben ihre Nennbreite erreicht oder überschritten. Innerhalb einer Modellreihe kann es durchaus Unterschiede geben: Während der Top Contact Winter II Premium in 37-622 effektiv nur 32 mm breit ist, ist die Variante in 42-622 tatsächlich 44 mm breit.

Pannenschutz nicht außer Acht lassen

Beim Pannenschutz waren bisher die meisten Reifen entweder mit dünnen Gewebelagen als „Breaker“ (z.B. aus Nylon oder Vectran) oder mit einer dickeren Gummischutzschicht unter der Lauffläche (meistens 3 oder 5 mm stark) versehen. Neuerdings verbauen Hersteller wie Continental, Schwalbe und Vredestein neue Schutzgürtel, bei denen ein Gewebe-Breaker mit einer etwas dünneren Gummischicht kombiniert wird. Der Vorteil ist, dass fast die Schutzwirkung einer dicken Gummikonstruktion bei wesentlich weniger Gewicht erreicht wird.

Gerade in der Stadt ist guter Pannenschutz wichtig, aber man sollte das Gewicht des Reifens nicht außer acht lassen. Laufräder sind rotierende Masse, die ständig gebremst und beschleunigt wird, und die Reifen sitzen ganz außen. Vom Fahrgefühl spielt es eine große Rolle, ob jeder Ihrer Reifen 500, 750 oder sogar 1000 Gramm auf die Waage bringt. Gerade Tourenfahrer sollten immer ein Auge aufs Gewicht werfen. Es ist zwar richtig, dass sich auf flachen Strecken schwere Schlappen nicht ganz so bemerkbar machen, aber wer zu einer größeren Bergtour aufbrechen will, sollte beim Reifengewicht streng bleiben – da merkt man wirklich jedes Gramm.

Pannenschutz kann man auch ganz ohne Schlauch erreichen. Tubeless-Reifen haben sich inzwischen bei Mountainbikes durchgesetzt, viele Gravelbikes sind schlauchlos ausgestattet. Was ist von Tubeless am Trekkingrad zu halten? Wichtige Hersteller wie Schwalbe propagieren den schlauchlosen Reifen als die Zukunft. Es ist zweifellos richtig, dass solche Reifen nicht nur beim Pannenschutz, sondern auch beim Rollwiderstand über wichtige Vorteile verfügen.

Dem stehen momentan aber viele Nachteile gegenüber: Die Laufräder müssen für Tubeless ausgelegt sein und die Erstmontage erfordert, neben dem Einsatz von Dichtmilch, entweder eine Spezialpumpe oder einen Kompressor. Wenn etwas schiefgeht gibt’s eine riesige Sauerei. Zudem muss die Dichtmilch in regelmäßigen Abständen erneuert werden.

Man kann es nicht oft genug sagen bzw. schreiben: Kontrollieren Sie mindestens einmal, besser zweimal im Monat den Luftdruck Ihrer Reifen. Wenn Sie schon länger mit neuen Reifen liebäugeln, gilt die Redewendung: Probieren geht über studieren!


Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 3/2017. Sie können die Ausgabe in der Trekkingbike-App (iTunes und Google Play) laden oder im DK-Shop bestellen.

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