Test: Tourentaugliche Gravelbikes (4/2017)

Gravelbikes – Flotter auf Schotter

29.09.2017 Jörg Spaniol - Noch weiß niemand ganz genau, was ein „Gravelbike“, ein „Schotter-Rad“ genau ist. Wir haben sieben Modelle bis 2000 Euro herausgepickt, um das scharfe Ende des Trekkingbike-Marktes auszuloten.
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© Daniel Simon

Einen Augenblick bitte, waren wir hier nicht schon einmal? Ja, doch, aber es ist ungefähr 100 Jahre her. Damals, als die Tour de France noch ganz jung war, und die Straßen aus Pflaster, Erde und Steinen bestanden – damals war ein „Rennrad“ noch sehr alltagstauglich, und es konnte mit grobem Geläuf umgehen. Es folgte eine Evolution, in deren Verlauf sich Sportfahrräder mit der Bereifung eines Mondfahrzeugs und papierleichte Sensibelchen für gefegtes Parkett entwickelten. Außerdem Sporträder nur zum Bergabfahren und solche nur zum Bergauffahren. Und während all das geschah, vervielfachte sich die Weltbevölkerung und asphaltierte in reichen europäischen Ländern fast jeden Trampelpfad. Schaut man sich auf Messen und in der Landschaft um, hat diese Entwicklung wieder zum Ausgangspunkt geführt: Sporträder mit einer gewissen Vielseitigkeit boomen. Ein paar angefragte Testräder konnten nicht geliefert werden: sie waren ausverkauft.

Der Rückweg zum vielseitigen Sportrad riecht ein wenig nach Vollbartshampoo, kariertem Flanellhemd und Bier aus Kleinstbrauereien, und er beginnt einmal mehr in den USA, wo das Schotterstraßen-Sportrad längst im Rennsport angekommen ist. Langstreckenrennen wie das „Dirty Kanza 200“ in Kansas sind populär – und könnten die technische Entwicklung wieder in eine Spezialisierung treiben, die hierzulande nicht wirklich nötig ist.

Im TREKKINGBIKE-Test bilden wir ein Radspektrum ab, das preislich unter der Wettkampfware bleibt. Die Sitzpositionen streuen zwischen Rennrad und gepäckträgerlos zu beladendem Adventure-Bike. Zwischen diesen Kategorien ist Platz für einen Radtyp, der von Sport bis Reise funktioniert. Was ein Gravelbike genau ist, definiert kein technisches Reglement. Der Markt entscheidet, wo die Lücke beginnt und endet. Ein paar technische Details finden sich jedoch immer wieder, in wechselnden Kombinationen und mit unterschiedlichen Vorzügen.

Ganz entscheidend ist die Reifenfrage.

Querfeldein-Rennräder dürfen im Wettkampf nur 33 mm breite Reifen haben, und viel mehr Platz lassen die entsprechenden Rahmen auch selten. Für entspanntes Fahren auf Forststraßen oder mit Gepäck ist das sehr wenig. 37 bis 42 Millimeter Reifenbreite mit mäßigem Druck (zwischen 2,5 und 3,5 bar) bringen deutlich mehr Komfort und Sicherheit, ohne dass die Spritzigkeit unmäßig leidet. Auf trockenen, festen Untergründen ist der Schwalbe G-One eine weich abrollende Wucht, doch schmierige Böden mag er gar nicht. Dort können Modelle wie Clements X’Plor-Reifen oder Schwalbes Racing Ralph mehr überzeugen – mit spürbaren Abstrichen in schnellen Asphaltkurven. Die großzügigsten Reifenformate passen bei Bulls, Fuji, Genesis und Giant durch Rahmen und Gabel, die übrigen drei Testräder sind mit 35er-Breiten am Limit, bei montierten Schutzblechen deutlich früher.


Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 4/2017. Sie können die Ausgabe in der Trekkingbike-App (iTunes  und Google Play ) laden oder im DK-Shop  bestellen.

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