Test: Klassiker-Modelle (6/2016)

Wunschrad vom Versender: Poison Atropin Tour IGH

09.12.2016 Jochen Donner - Als reiner Versender bietet Poison eine interessante Rohloff-Gates-Version seines Longsellers Atropin. Der Kundenwunsch ist für den Custom-Bauer Befehl.
DS160926_0007
© Daniel Simon

Es ist die ungewöhnliche Sitzposition, die am Poison Atropin sofort auffällt: Steile Lenk- und Sitzwinkel (74°/75°), dazu eine Sattelstütze ohne Versatz, rücken den Radler mittig zwischen wuchtige 29er-Laufräder, ein gehöriger Teil des Körpergewichts lastet auf den breiten Lenker. Durch diese zentrierte Position wird die extrem leichtgängige, fast schon nervöse Lenkung des Atropin gezähmt. Das Vorderrad mit seinem Schutzblech kann großen Füßen am Pedal allerdings zu nahe rücken. Doch der Rohloff-Tourer bekommt dadurch eine spielerische Leichfüßigkeit, die Spaß macht.

DS1609_Poison-Det-01
© Daniel Simon
Für korrekte Riemenspannung dreht sich das Tretlager in einem Rahmen-Exzenter.

Unter Gepäckzuladung ändert sich das wieder: Nur Heck-Beladung bringt das Rad bei Kurvenfahrt recht früh ins Schlingern, wohl ein Effekt der dünnwandigen Rahmenrohre. Nutzt man dagegen auch den Lowrider, beruhigt sich die Fahrt und das Atropin zeigt seine Qualitäten als vitaler Tourer: Es bleibt selbst unter Volllast sensibel lenkbar und zirkelt mit Eleganz um Kurven, dass es eine Freude ist. Der Rahmen ist schön verarbeitet, Details wie die Direktkontakt-Gabel oder das Exzenter-Tretlager zeigen, dass eine ordentliche Portion Hirnschmalz in die Konstruktion eingeflossen sind.

DS1609_Poison-Det-02
© Daniel Simon
Direktkontakt von Gabel zu SON-Dynamo. Dieser Kunstgriff macht den Radausbau einfacher.

Die Laufräder sind dank angewinkelter Speichenbohrungen in der Felge sehr solide, aber auch schwer: Das Vorderrad wiegt 2753 Gramm! Deshalb fällt der Antritt zäh aus und die Lenkkräfte bei rotierendem Vorderrad hoch – was die anfangs beschriebene Leichtfüßigkeit jedoch in gewissem Maß kompensiert. Als Reiserad ist das Rad jedenfalls ein sympathischer Charakter!

Plus:

  • Schöner, leichter Rahmen mit sinnvollen Details

Minus:

  • Schwere Laufräder
  • wenig Fußfreiheit zum Vorderrad

Die Modellgeschichte:

Drei Inkarnationen hat das Atropin bereits hinter sich: 2006 startete es als pures Sportrad – Poison konzentrierte sich damals ausschließlich auf Rennräder und Mountainbikes. 2009 kam eine alltagstaugliche Trekking-Version mit Rohloff-Schaltung, 2016 reifte das Bike mit dem giftigen Namen zum Touren-/Reiserad. Die vielseitige Atropin-Reihe umfasst 26- und 29-Zöller mit laufend modernisierten, sportlichen Rahmen. Geplant sind künftig z. B. Slider-Ausfallenden, um es für alle Antriebe kompatibel zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren
Schlagwörter

Poison Atropin Tour IGHTest

Diese Ausgabe 6/2016 bestellen